naloxon

Naloxon

Naloxon ist ein Notfallmedikament, das bei einer akuten Vergiftung mit Opioiden eingesetzt wird. Opioide wie Heroin wirken betäubend auf das Nervensystem, in dem sie an den Opioid-Rezeptoren binden. Auch die Steuerung der Atmung ist davon betroffen. Bei einer Überdosis mit Opioiden wird die Atmung immer flacher bis sie ganz aussetzt. Konsumierende sterben am Atemstillstand. Der Wirkstoff Naloxon ist ein so genannter Opioid-Antagonist, also ein Gegenspieler von Opioiden. Es verdrängt Opioide von den Rezeptoren und hebt die Atemlähmung auf.

Naloxon auf der Liste der unentbehrlichen Arzneimittel der WHO

Naloxon wurde in den 1960er Jahren erstmals hergestellt und rettet seit Jahrzehnten Leben in der Notfallmedizin. Nach der Gabe wirkt es binnen Minuten. Es kann bei Überdosierungen mit jeglicher Art von Opioiden wie Heroin, Methadon oder Fentanyl eingesetzt werden. 1971 wurde Naloxon erstmals in den USA zugelassen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat Naloxon 1983 in die Liste der unentbehrlichen Arzneimittel aufgenommen.

Naloxon selbst hat keine berauschende Wirkung. Bei Personen, die keine Opioide nehmen, hat Naloxon keinen Effekt. Der Opioid-Antagonist wird daher als sicher in der Anwendung eingestuft. Bei Opioidabhängigen kann Naloxon zwar Entzugssymptome auslösen, das Potential des Wirkstoffs, Leben zu retten, fällt nach Einschätzung von Expertinnen und Experten aber deutlich stärker ins Gewicht.

Die Halbwertzeit von Naloxon ist allerdings kürzer als die der meisten Opioide. Daher kann nach Abklingen der Naloxonwirkung die atemlähmende Wirkung des zu hemmenden Opioids wieder einsetzen. Mit Naloxon Behandelte sollten daher unter medizinischer Beobachtung bleiben.

Take-home-Naloxon-Programme

Aufgrund der Fähigkeit von Naloxon, den atemlähmenden Effekt von Opioiden vergleichsweise sicher und schnell aufzuheben, wird es seit den 1990er Jahren auch in so genannten Take-home-Naloxon-Programmen eingesetzt. Drogengebrauchende erhalten Naloxon und eine Schulung zur Anwendung des Präparats im Notfall. Studien legen nahe, dass Take-home-Naloxon-Programme bedeutsam die Anzahl an Drogentoten reduzieren kann.

Seit 2018 ist in Deutschland ein Naloxon-Präparat verfügbar, dass als Nasenspray verabreicht werden kann. Drogengebrauchende können sich das Präparat verschreiben lassen und auch an andere Personen wie beispielsweise Familienangehörige weitergeben, damit diese es im Notfall den Betroffenen verabreichen können.

 

Quellen:

  • Dichtl, A., Stöver, H. & Dettmer, K. (2016). „Naloxon kann Leben retten!“ – Take-Home-Naloxon-Programme als Prophylaxe tödlicher Drogennotfälle. Suchttherapie, 17(3), 137-143.
  • EMCDDA > Take Home Naloxone
  • Handal, K. A., Schauben, J. L. & Salamone, F. R. (1983). Naloxone. Annals of Emergency Medicine, 12(7), 438-445.
  • McDonald, R. & Strang, J. (2015). Saving lives with pre-supply of naloxone – from concept to coordinated care. In A. Dichtl, H. Stöver & K. Dettmer (Hrsg.), Naloxon – Überlebenshilfe im Drogennotfall. Frankfurt am Main: Fachhochschulverlag.
  • Van Dorp, E. L. A., Yassen, A. & Dahan, A. (2007). Naloxone treatment in opioid addiction: the risks and benefits. Expert Opinion on Drug Safety, 6(2), 125-132.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *